Straßenmusik in Uzes, Frankreich vom 18.07.2015 bis zum 27.07.2015

Hiermit laden wir Euch ein, an unserer phantastischen Sommerreise teilzunehmen.

Viel Spaß dabei wünschen
Florian, Helge, Peter, Michael und Willy

 

Freitag, 18.07.2015, und Samstag, 19.07.2015:

Freitag Abend: Abfahrt!

Wir starten mit 2 Autos, ich fahre mit Familie Krampen, sprich Florian, Tanja, Jule und Jesper in deren VW-Bus. Willy, Peter und Michael fahren mit Willys Volvo, der in diesem Bericht noch einige Aufmerksamkeit erfahren wird ...

Unterwegs wird wiederholt per sms sowie what's app kommuniziert, um sich gegenseitig auf dem Laufenden bezüglich des Vorankommens und der Aufenthaltsorte zu halten.
Die Nacht wird durchgefahren und wir kommen ungefähr gleich gut voran. Im Vergleich zu unserer letzten Fahrt vor 5 Jahren im Wohnmobil geht es sehr schnell. Allerdings staunen wir über die mitten in der Nacht stark befahrene Autobahn in Frankreich! Wir waren vorgewarnt worden: Bettenwechsel in Frankreich - dagegen ist der Bettenwechselwahnsinn in Dänemark eine zu vernachlässigende Größe.

Zum Morgen hin wird der Verkehr zähflüssig bis stockend bis stehend, besonders vor und im Bereich Lyon! In Willys Volvo versagt der Lüfter. Die drei fahren mit aufgerissener Heizung bei über 30° C Außentemperatur bei stockendem Verkehr, um möglichst viel Wärme vom Motor abzuleiten. Bei einem Halt stellen sie fest, dass sie Kühlwasser verlieren.

Schließlich kommt Peter auf die Idee rettende Idee, die Lüfterschaltung zu überbrücken. Er schneidet aus einem Zaun ein Stück isolierten Draht, biegt ihn und fügt ihn - glücklicherweise - an der richtigen Stelle ein. Von nun an läuft der Lüfter die ganze Zeit auf Hochtouren.

Trotz dieser Schwierigkeiten treffen die drei nur etwa eine Stunde später als wir in Uzés ein. Familie Krampen und ich haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine stimmungserhellende Crepe-Nahrungsaufnahme hinter uns und begrüßen die sichtlich erschöpften Nachzügler, selbst Peter, der zum Wachbleiben 6 Dosen Red Bull und einen Liter Cola konsumiert hatte zeigt deutliche Abnutzungsspuren.

Tanja und die Kinder verlassen uns bald darauf, um zu ihrem noch 3 Fahrstunden entfernten Campingplatz zu kommen.

Wir Männer beziehen das Haus. Es befindet sich nur 5 Gehminuten in einer ruhigen, direkten Verbindungsstraße vom Ortszentrum entfernt und ist mehr als komfortabel ausgestattet. Unser neues Zuhause bietet genug Platz, verfügt über W-lan, hat einen verhältnismäßig kühlen Hinterhof mit lebenswichtigem Wasserschlauch samt Duschdüse sowie in jedem Raum eine Klimaanlage.

Wir sind begeistert und fühlen uns von Anfang an wohl in unserem Domizil. An dieser Stelle danken wir herzlich Martina für die Organisation dieses Schmuckstückes!


Nach einem trotz der herrschenden Hitze belebenden Mittagsschlaf, den wir alle dringend gebraucht haben, gehen wir zusammen nachmittags zu einem kleinen Imbiss samt getränklicher Erfrischung, bei dem es Michael gelingt, einen Taubenabwurf direkt in der Achselhöhle seines Hemdes aufzufangen.

Schließlich sind wir soweit gestärkt, dass wir unsere Instrumente holen und zu unserem ersten gemeinsamen Musizieren aufzubrechen.

Willy, Florian und mir gehen - wie schon bei der Planung - erneut einige Gedanken durch den Kopf: Kann es überhaupt wieder so schön werden, wie es vor 5 Jahren gewesen ist? Ist das möglich?
Wir starten an der Ringstraße, die durch den ganzen Ort führt Es ist Abendessenszeit und unglaublich heiß. Kaum haben wir die Gitarren umgeschnallt bildet sich bereits ein großer feuchter Fleck dort, wo sie unsere Körper berühren. Und los geht es!

Unsere geliebten Merlot-Songs erschallen in sattem gut abgestimmtem Sound. Peters Akustikbass erfährt durch seinen tragbaren Bassamp die notwendige Fülle, Michael groovt auf seiner Cajon, Florian und ich lassen unsere Gitarren kräftig und liebevoll erklingen, Willy singt so wie es nur Willy kann, unterstützt durch den stimmlich fein abgestimmten Backgroundgesang von allen anderen! Kaum haben wir begonnen, da fordert der zuvor skeptische Betreiber des Restaurants uns auf unbedingt weiter zu spielen. Uzes ist unser! Wir sind wieder da! Und außer uns kaum andere Musiker- phantastisch! Es beginnen fünf Tage, in denen wir unseren musikalischen Beitrag zur Bereicherung der wunderschönen Atmosphäre beitragen!

Wir spielen uns durch den Ort, bis wir schließlich bei dem edlen Restaurant auf der Terrasse mit dem schönen Blick auf die Kirche ankommen. Dort fragen wir den Besitzer, ob wir bei ihm für seine Gäste singen dürfen. Er betrachtet uns von unten bis oben und wieder zurück. Einen Song! - gibt er uns - genau wie vor fünf Jahren seine Frau - zu verstehen. Wenn er ihm nicht gefällt möchte er uns nicht weiter bei sich haben. Noch vor Beendigung unseres ersten Liedes strahlt er und erklärt uns, dass wir jederzeit wiederkommen können.

Als zunächst irritierend empfinden wir die Momente der Stille nach jedem unserer Lieder. Keiner spricht, kein Geräusch, eine gefühlte Ewigkeit lang. Dann: Applaus, fast gleichzeitig von allen Tischen ansetzend und schnell vehementer werdend. Bald verstehen wir: die Leute legen erst ihre Bestecke zur Seite - sie sind ja am Essen - um sich dann begeistert für unsere Musik zu bedanken! Freude durchflutet uns.

Spielen wir hier noch eher ruhig, der Atmosphäre entsprechend, toben wir uns in dem Restaurant, dass sich hinter einer Mauer eine Etage tiefer, aber noch in Hörweite befindet, so richtig aus. Haben wir zuvor bereits viel Applaus bekommen, so werden wir hier mit noch größerer Begeisterung entlohnt! Die Menschen zeigen großes Interesse an unseren CDs, wollen uns gar nicht mehr gehen lassen!

Willy, Florian und ich sind erleichtert - es ist schön wieder hier zu sein! Und wir sind gleich voll eingestiegen. Haben wir bei unserem letzten Besuch in Usès noch ein wenig gebraucht um unser volles Straßenmusikpotential zu entwickeln nutzen wir diesmal unsere Erfahrungen im Umgang mit den Menschen, was uns sehr zugute kommt. Michael und Peter verstehen nun, weshalb wir so oft voller Freude und Begeisterung von diesem Ort und dem Musizieren in Uzès erzählt haben und wieder hier her wollten!

Wir schwelgen bei Temperaturen, die die ganze Nacht nicht unter 30°C fallen, noch bis in den späten Abend in den Gedanken an das Erlebte, genießen unser männliches Zusammensein und sehen entspannt und voller Freude unserer Woche in Uzes entgegen.

Sonntag, 20.07.2015, 2. Tag in Uzes


Jedem von uns ist klar, dass bei diesen Temperaturen das höchste der Gefühle die abendlichen Auftritte sind, und selbst diese fordern einen hohen Tribut an Kraft und Schweiß. Und das Schönste bei 39° C im Schatten und bei leichter Bewölkung ist: Baden! Nach einem Abstecher in den klimatisierten Supermarkt fahren wir zur Pont du Gard und verbringen die Zeit überwiegend im Wasser mit herrlichem Blick auf das alte begehbare römische Aquädukt, dass ein Teil der Wasserleitung von Usèz bis nach Nimes ist.

Der Anblick und die Atmosphäre sind und bleiben einmalig!

Florian kann am längsten unter Wasser bleiben und wird zum Meister der Atemtechnik unserer Gruppe ernannt. Er weist uns in den nächsten Tagen in das Geheimnis des geschickten Atemholens und viele weitere Geheimnisse ein und wir anderen erkennen seine große Weisheit an und zeigen unseren Dank zu jeder sich bietenden Gelegenheit, gefolgt vom freudigen Strahlen des Meisters über die erfahrene Anerkennung, Begeisterung und Zuneigung, die ihm aus unseren Herzen entgegenflutet.


Wieder zurück verbringen wir unsere Zeit mit gemeinsamem Musizieren, neue Stücke von Willy und mir erklingen und werden ausgeschmückt. Wir genießen unseren musikalischen Austausch an diesem und an den folgenden Tagen in vollen Zügen! Wir beginnen damit, das Musikmachen auf die Fußgängerstraße vor unserem Haus zu verlegen - die Akustik ist wunderbar, es ist schattig, ab und zu kommen Leute vorbei, manche bleiben stehen, sprechen uns an, hören zu. Diese Interaktion gefällt uns so gut, dass wir von nun an täglich mehrfach, auch noch nach den abendlichen Straßenmusikaktionen, hier singend und spielend gesellig zusammensitzen.

Vor dem musikalischen Gang in den Ortskern stärken wir uns noch mit Pizza in dem kleinen Restaurant in kaum 50 Meter Entfernung Richtung Ortsmitte, das von 3 jungen Franzosen betrieben wird und erst vor wenigen Monaten eröffnet wurde, dann geht es wieder los! Wir bespielen den großen Platz am Brunnen, an dem sich mehrere Restaurants mit sehr unterschiedlich großen Außenbereichen befinden.

Akustisch ist dieser Bereich eine echte Herausforderung, da zum einen eine Grundlautstärke von den vielen sitzenden und speisenden Menschen vorliegt. Diese wird allerdings durch den Gesang der Zikaden deutlich in den Schatten gestellt, so dass wir stimmlich alles geben, um einigermaßen durchzudringen. Einer der Restaurantbetreiber erkennt uns nach 5 Jahren sofort wieder, begrüßt uns herzlich und bittet uns sehr zu unserer Freude bei ihm zu spielen!

Nach zwei Auftritten brauchen wir eine Erholungspause. Danach stellen wir fest, dass einige Restaurants am Sonntag geschlossen haben. Wir spielen noch für die größte zu findende Menschenmenge und machen uns anschließend auf den Heimweg, um in der Bar an der Straße unsere Einnahmen zu zählen und in Getränke umzusetzen. Wieder zu Hause gibt es keinen sehnlicheren Wunsch, als kalt zu duschen. Es kehrt Ruhe ein und wir beenden den Abend mit Gesprächen voller Nähe und Freundschaft. Schließlich gehen wir zufrieden und erfüllt schlafen, Florian oben auf der Terasse, wir anderen in unseren Zimmern, die wir zunächst auf eine erträgliche Temperatur herabkühlen.


Montag, 21.07.15, dritter Tag

Florian und Michael erkunden getrennt voneinander die Stadt, bis sie sich zufällig bei einem Kaffee und einem Croissant treffen. Wir frühstücken bis Mittag, nachdem wir anderen schließlich erwacht sind und uns hübsch gemacht haben. Es ist immernoch unglaublich heiß. Erneut begeben wir uns gemeinsam zum Baden an den Gard - diesmal an eine andere Stelle. Zur unserer Freude gibt es genügend Schattenplätze und herrliche Absprungmöglichkeiten, die besonders Willy, der Meister und ich nutzen, um unsere Höhenangst in ihre Schranken zu verweisen, Peter erfreut sich beim Tauchen an der Begegnung mit einem großen Aal.

Daheim verwöhnt uns Florian mit seinen Kochkünsten: Spaghetti Bolognese, so wie nur der Meister es kann! Trotz der Hitze beschließen wir ein bis zwei Auftritte zu machen.

Ganz entspannt machen wir uns auf den kurzen Weg. Florian schlendert, ein paar ohrkitzelnde Jazzakkorde auf seiner Gitarre vor sich hinperlend, voran, wir folgen gemütlich pfeifend. Unser erster Halt ist das Terassenrestaurant bei der Kirche, wo wir vom Chef persönlich herzlich begrüßt werden. Wir spielen ein paar Lieder, geben eine gewünschte Zugabe, genießen den Applaus, die Fröhlichkeit, die unsere Musik bei den Erwachsenen und besonders den Kindern auslöst und nicht zuletzt den köstlichen Wein, der uns anschließend spendiert wird. Bevor wir gehen kauft der Restaurantbesitzer unsere CDs. Wir verabschieden uns von den Besuchern des Restaurants und den Menschen, die um uns zu lauschen, an der erhöhten Balustrade vor der Kirche stehengeblieben sind.

Unser zweiter Auftritt an diesem Abend findet vor der Pizzeria in der Fussgängerstraße statt, wir genießen die ruhige Atmosphäre, die Aufmerksamkeit der Essenden, die Akustik, das Lachen darüber, dass ich uns als älteste Boygroup Deutschlands ankündige, den Austausch mit den Menschen auf Deutsch, Französisch und Englisch und natürlich: den Applaus.


Spruch des Tages (in guter alter Uzes Tradition - siehe den Bericht von unserem Besuch vor 5 Jahren) - von Michael: Soviel mal wie Tag im Jahr, so die Kuh am Schwanz hat Haar. Ein Spruch, dessen zunehmend schnelleres gemeinsames Sprechen uns zu später Abendstunde viel abverlangt und Freude bereitet. Michael vergnügt uns an diesem Abend noch mit mehreren weiteren rhythmischen Klatsch- und Sprechübungen, wir üben geheime Erkennungszeichen, genießen das französische Bier in diesen niedlichen kleinen Flaschen und den Pastis, der nur hier so lecker schmeckt! Und wie wird wohl die Nacht? Heiß! Ich glaube es handelt sich um die heißesten Nächte meines Lebens ...


Dienstag, 22.07.15, 4. Tag

Nach einem leckeren Morgenkaffee mit Croissant vor einer Bäckerei findet Willy einen Sonnenhut, der auf seinen Kopf passt. What a beautiful man ...

Nach dem Frühstück setze ich mich vors Haus, Florian kommt dazu, wir grooven uns ein. Lisa, eine attraktive ältere Dame in ihrem roten Kleid kommt wieder vorbei, diesmal mit ihrem Akkordeon, so wie wir es für heute verabredet hatten. Sie begleitet uns bei "dancing with ghosts" und "hey man". Willy kommt und singt dazu, Peter basst, schließlich komplettiert Michael uns.

Plötzlich geht nebenan in der 1. Etage ein Fensterladen auf und unser rauschebärtiger Nachbar mit Restspuren der Nacht fragt auf Deutsch, ob wir einen Kaffee wollen. Er bringt ihn uns kurz darauf nach draußen, hört uns zu, holt seine Mandoline, sein Sohn und dessen Freundin tauchen auf - sie renovieren gerade das Haus. Angus ist Schotte, spielt gefühlvoll Gitarre und singt mit angerauter schöner Stimme. Er hat 15 Jahre in Süddeutschland viel Straßenmusik gemacht, wobei er gleichzeitig mit den Beinen mehrere Puppen sehr zur Freude der Kinder hat tanzen und musizieren lassen.

Wir spielen eine ganze Weile zusammen, ich lasse meine Handykamera dabei laufen. "Where will we go" aus dieser Session habe ich später auf youtube hochgeladen und von der Startseite unserer Homepage aus verlinkt (und natürlich auch hier!).

Leute bleiben stehen, applaudieren, ziehen weiter. Eine weitere attraktive ältere Dame kommt vorbei - wie sich herausstellt ist sie Psychlogin mit Praxis in Usèz - spielt spontan auf der Gitarre 2 jazzy Songs, einer davon von Amy Winehouse.

Wir haben viel Freude am gemeinsamen Musizieren und unseren Gesprächen. Zwei Stunden später trennen wir uns im Bewusstsein eines entspannten schönen gemeinsamen Erlebnisses - es ist so innig vertraut, als ob man sich schon lange lange kennt ...

Der Nachmittag wird mit Boulespielen verbracht, Florian glänzt, Willy brilliert. Es ist soooooo heiß! Schließlich begibt sich Florian - noch lange nicht des Boulens satt - ins Boulodrom, um sich ein paar weitere hochkarätige Mitspieler zu suchen.

Wir anderen schlagen wir uns den Bauch voller Hingabe mit Eis aus unserem Lieblingsminisupermarkt voll.

Abends ist Kunsthandwerkermarkt in den Seitenstraßen des Ortes, an allen Ecken erklingt verstärkte Musik, wir promenieren mit unseren Instrumenten im Schlepptau durch die Gassen und kommen schließlich an den Brunnenplatz, der von dem bunten Treiben rundherum nicht berührt wird.

Erneut treffen wir die Psychologin, die unserem Spiel freudig mit einer Freundin lauscht. Hochmotiviert und selbstsicher rocken wir ein paar Restaurants, bevor wir gemütlich durch die Gassen zurückschlendern, begleitet von den musikalischen Klängen einiger Alleinunterhalter. Wir steuern die Pizzeria in unserer Straße an und lassen es uns gut gehen.

Zuhause spendiert uns Angus später auf der Straße selbstabgefüllten Wein, die 11. von 12 Flaschen, die anderen 10 hat er in den vergangenen beiden Tagen bereits alleine getrunken. An diesem Abend streiche ich früher als die anderen die Segel und schlafe mit Ohropax zu den lauter werdenden Stimmen von Willy, Peter und Angus, die noch lange unter meinem geöffneten Fenster zusammensitzen, ein. Es ist schön hier, ich fühle mich unglaublich wohl.


Mittwoch, 23.07.15, 5. Tag

Schon früh am Morgen bin ich hellwach und beginne mit der Erkundung des grünen Umlandes von Uzes. Es ist wunderschön.

Eine neue spannende Welt tut sich so dicht am Ort für mich auf. Ich entdecke einen Bouleplatz hinter der größten Kirche des Ortes mit freiem Blick in eine bezaubernde Landschaft. Als ich nach meinem Rundgang über kleine Teile eines Wanderweges am Fluss, am Freibad und an Erholungswiesen mit Joggern vorbei auf einer Steinmauer liege erklingen die volltönenden melodischen Glocken der Kirche. Es ist 9.00 Uhr.

Ich erfreue mich an der Morgenstimmung und am unendlichen blauen Himmel, die Stadt erwacht zunehmend. Frankreich, ich genieße Dich! Auf dem Rückweg berausche ich mich an den Farb- und Geruchseindrücken des Marktes, der sich plötzlich beim Verlassen einer Seitengasse vor mir auftut.


Nach einem gemeinsamen Frühstück jammen wir, gehen erneut Boule spielen, und ruhen uns für den Abend aus.

Schon beim Aufbruch zum abendlichen Musizieren donnert und grummelt es am Himmel in der Ferne. Wie tags zuvor mit der Betreiberin der Eckneipe an der Straße neben der Gasse zur Innenstadt spielen wir für ein paar Getränke ein paar Lieder, der junge Garcon behandelt uns wie jedes Mal aufgeschlossen und freundlich, Leute bleiben stehen, filmen uns, machen Photos, verweilen eine Zeit um uns zu lauschen. Anschließend setzen wir uns kurz noch, wehren uns mit mehr oder weniger Erfolg nacheinander gegen einen aufdringlichen älteren Herrn, der uns Küsse aufdrückt bzw. aufdrücken will.

Schließlich ziehen wir sicherheitshalber weiter zur Pizzeria um die Ecke. Der Himmel wird dunkler und dunkler, das Donnergrummeln lauter. Schon als wir uns zum Musizieren vorbereiten winkt uns ein Mann aus dem Innenbereich der Pizzeria zu, der uns schon wiederholt zugehört und sich an unserer Musik erfreut hat. Nachdem wir draußen 3 Stücke gespielt haben, fragen wir, ob wir auch drinnen singen dürfen - und wir dürfen.

Drinnen ist es eng, die Tische sind voll besetzt, wir passen trotzdem hinein, weichen den Kellnern aus, die mit vollen Tabletts hinein- und hinauslaufen. Einzig Peter benötigt ab und an einen Moment, um zu reagieren, weil er mit seinen Gedanken meist bei Martina verweilt, die in Kürze in Uzès eintreffen wird. Und schließlich beginnt es zu regnen - so wie Angus es vorhergesagt hat. Wir unterbrechen "Daddies Day", retten unsere Sachen von der Straße in einen Seiteneingang, spielen anschließend drinnen weiter die 2. Strophe und das Ende des Liedes. 2 Lieder später hört der Regen auf. Unter tosendem Applaus verlassen wir das Restaurant und begeben uns zu viert zu den Arkaden, da Peter Martina begrüßt und zum Haus bringt.

Unter den Arkaden genießen wir mehr die Akustik als das Publikum, das zum Teil eher uninteressiert erscheint. Aber auch hier gibt es Menschen, denen unsere Musik gefällt, erneut kommen Kinder heran, kichern und erschrecken sich, wenn ich spontan mit dem Saxophon näherkomme oder sie einfach nur anlächle. Leute bleiben beim Vorübergehen stehen, um uns zu lauschen. Langsam füllt sich der Platz nach dem Regen wieder mit Touristen.

Peter fehlt uns musikalisch abrundend unten herum. Dennoch geben wir in dem Restaurant mit den meisten Tischen im Außenbereich noch einmal alles, um uns dann gemütlich an einen Tisch zu setzen und unsere heutige Auftrittsreihe abzuschließen.

Wieder zuhause erklingen bis um 23 Uhr unsere Lieder auf der Straße vor unserem Haus, bis ein "schhhhhhh" uns darauf hinweist, dass jemand in einem Haus gegenüber heute Nacht seine Nachtruhe benötigt.

Donnerstag, 24.07.15, 6. Tag

Willy ist krank, das ist das Ende des gemeinsamen Straßenmusizierens. Wir sorgen uns um ihn. Wir anderen spielen weiterhin auf der Straße vor unserem Haus, neue Ideen werden ausprobiert, das Wetter genossen, doch oft verweilen unsere Gedanken bei ihm. Henri, Steffi, Erik und Finn-Jarne kommen an und wohnen mit uns im Haus. Wir erfreuen uns am Miteinander und Füreinander!

Freitag, 25.07.15, 6. Tag

Willy liegt weiterhin krank darnieder. Nur für die Verabschiedung von Florian, der zu seiner Familie aufbricht, erhebt er sich und begleitet ihn mit zum Bus. Der Abschied ist herzlich und tränenreich, wir winken dem Bus noch lange nach.

Abends spielen wir wieder für uns vor dem Haus. Henri übernimmt mit Freude und Eleganz Florians Gitarren- und Soloparts. Ich habe große Freude am gemeinsamen vertrauten Musizieren mit ihm. In der Dunkelheit und der Vertiefung in die Musik bemerken wir gar nicht, dass wir Zuhörer haben. In einer musikalischen Pause ertönt dicht hinter mir Applaus. Wir lernen Kerstin und Lisa Brunnel kennen. Kerstin ist die Mutter von Lisa und ist aus Liebe nach Frankreich gezogen. Lisa spricht Deutsch, liebt Musik, spielt selber Geige, ist 28 und Ärztin im Krankenhaus in Avignion. Sie ist zu Besuch bei Ihren Eltern, die nach Uzès gezogen sind. Wir tauschen uns aus, sie berichtet mit Begeisterung vom Musik- und Kulturfestival in Avignon, das gerade ausläuft. Anschließend untersucht sie Willy und Steffi geht mit ihr und ihrer Mutter mit, um ein Rezept für ein Antibiotikum zu bekommen, das er in Kürze einlösen wird.


Samstag, 26.07.15, 7. Tag

Ich ziehe alleine los, es ist Markt im Ort, erneut ein farbenfrohes angenehmes Treiben. So wie es Kerstin und Lisa am Vorabend erzählt haben spielt vor der Kirche eine Band: Akustikgitarre, E-Gitarre, Gesang+Saxophon - ein gemütlicher Schwarzer mit toller Stimme und tollem Sax-Sound, Kontrabass. Die Musik macht Spaß und ist abwechslungsreich, trotz des heute ansatzweise frischen Windes hat sich bald eine große Menge Menschen zum Zuhören versammelt. Ich bleibe in der Sonne sitzen, wo es trotz des Windes warm genug ist. Kinder tanzen, Leute kommen und gehen, werfen Geld in den bereitstehenden Hut, kaufen CDs. Jazz, Blues und Dixieanleihen erklingen. Martina und Peter kommen und hören zu, Michael taucht auf und wir erfreuen uns gemeinsam an der Musik und der Atmosphäre.

Abends kocht Steffi für uns und wir genießen das Zusammensein und Musizieren. Es ist kühler geworden, aber weiterhin angenehm warm.


Sonntag, 27.07.2015, 8. Tag

Die Temperatur ist wieder gestiegen.

Jeder zieht genüsslich seiner Wege, bis wir uns abends zum letzten musikalischen Zusammensein vor dem Haus gemütlich einrichten. Es wird ein ganz besonderer Abend mit leichtem Straßenfestcharakter, als ob die Menschen spüren, dass wir nur noch heute Abend hier sind. Viele Menschen bleiben stehen, hören zu, verweilen lange.

Die Pizza-Jungs jubeln und klatschen aus der einen Richtung, ein paar Damen machen es sich 30 Meter weiter in die andere Richtung mit Tisch, Stühlen und Getränken gemütlich und applaudieren ebenfalls, Angus kommt dazu, bald sind wir alle versammelt - sogar Willy kommt zu uns und singt ein paar Lieder mit uns - ein großer Genuss - bis er sich schließlich erschöpft wieder in sein Bett begibt und uns von dort aus weiter lauscht.

Ein französisches Ehepaar gesellt sich mit Wein, edlem Pastis, Knabberkram und Stühlen zu uns, ein weiterer Franzose lauscht unseren Klängen und bedankt sich mit einer Flasche edlen Weines, eine junge Französin - Nachbarin des Ehepaares - setzt sich zu uns und verteilt Kuchen. Wir spielen je später es wird leiser, um die Nachbarn nicht wie ein paar Tage zuvor zu stören, Angus und ich wechseln uns ab, spielen gemeinsam, sind voll der Begeisterung für die Vorträge des anderen.

Es wird ein unvergesslicher Abend. Dafür ist das Leben da: Musik, Gemeinschaft, Wärme, Liebe. Ich sauge all dies in mir auf. Noch jetzt, wenn ich diese Zeilen schreibe bekomme ich eine wohlige Gänsehaut und bin gerührt vor Freude über das Erlebte. Schließlich löst sich die abendliche Gesellschaft unter vielen herzlichen Verabschiedungen zur nächtlichen Ruhe auf. Was für ein Erlebnis - Steffi spricht es aus und wir alle stimmen zu.

Meine letzte Nacht auf der Terrasse ist zunächst erfüllt von dem Miauen der Katze des französischen Ehepaars, die über die Dächer der gegenüberliegenden Häuser schleicht, und von den spätaktiven Wasserstraßengesprenkelgeräuschen eines Nachbarn. Dann ist Ruhe, bis um 6.00 Uhr der Wecker klingelt und es nach einem kurzen Frühstück gemeinsam mit Michael zum Bahnhof nach Avignon geht. Peter und Martina fahren uns.

Der Abschied von Uzes, unseren Freunden und der Wärme fällt uns schwer. Wir kommen wieder! Und diesmal hoffentlich nicht erst in 5 Jahren!

 

Nachtrag:

Ich halte per Mail weiter Kontakt zu Angus, unserem Nachbarn in Uzes. Er berichtete zuletzt, dass die Menschen in seiner Straße ihn noch immer darauf ansprechen, wie schön die Woche voller Musik und mit uns gewesen ist. Freude und Sehnsucht erfüllen mich ....